Schwierige Situationen meistern

Steht Ihnen eine Situation bevor, auf die Sie sich psychisch gut vorbereiten möchten? Dann möchte ich Ihnen eine Möglichkeit vorstellen, wie Sie Ihre inneren Ressourcen aktivieren können, um gestärkt in diese Situation hineinzugehen.

Unter inneren Ressourcen versteht man Fähigkeiten, Wissen, Stärken, Eigenschaften und positive Gefühle, die uns helfen, Probleme zu bewältigen oder Ziele zu erreichen, die wir uns gesteckt haben. Häufig sind wir uns unsere Ressourcen gar nicht bewusst, wir stecken in einem Problem fest und sehen nur das, was uns hindert, was und fehlt oder was schlecht läuft. Das liegt daran, dass wir mit unserer Wahrnehmung auf das Problem fokussiert sind. Wie wenn man mit dem Fernrohr einen Wald betrachtet und man entdeckt einen kranken Baum. Während man ihn ganz genau betrachtet und alle Nuancen des Problems im Blick hat, wie den schiefen Wuchs, die abblätternde Rinde etc. kann man gar nicht erkennen, wie viele gesunde Pflanzen, starke Bäume, frisches Grün und weiches Moos der Wald noch zu bieten hat. Genauso wenig wie die Vögel, die ihre Bruthöhlen in dem Baum haben und die Eichhörnchen, die auf seinen Ästen herumturnen. Um das Ganze im Blick zu haben, müssen wir das Fernrohr erstmal zur Seite legen und  unsere Wahrnehmung ganz bewusst neu fokussieren.

Folgendes Vorgehen ist sehr hilfreich, um den Blick auf die eigenen Stärken zu lenken, sie hervorzuholen und gezielt einzusetzen:

  1. Ressourcen auswählen

Stellen Sie sich zunächst die Frage, welche spezifischen Ressourcen Sie brauchen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Ist es Mut, Beharrlichkeit oder Menschenkenntnis? Spielen Sie eine typische Szene in Gedanken durch, so als ob Sie die gewünschten Ressourcen schon zur Verfügung hätten und überprüfen Sie, ob sich die Szene dadurch so gestaltet, wie Sie möchten. Wenn nicht, fehlt vielleicht noch eine weitere wichtige Ressource. Fragen Sie sich in diesem Fall „Was brauche ich noch, um mein Ziel zu erreichen?“ Wiederholen Sie das so lange, bis Sie alle Ressourcen gefunden haben, die Sie benötigen.

Einer meiner Klienten, ich nenne ihn Hernn K., war kurz davor, einen neuen Job zu beginnen und er fühlte sich unsicher und hatte Angst, aus lauter Nervosität gleich alles zu vermasseln. Er wünschte sich, dass er voll Selbstvertrauen und Gelassenheit in die Situation gehen kann, mit dem Wissen, dass er fachlich kompetent ist, dass er aber auch um Unterstützung bitten kann, wenn ihm etwas unklar ist. Bei der Vorstellung, seine Arbeit mit diesem positiven inneren Zustand zu beginnen, fühlte er sich ruhiger, seine Schultern entspannten sich und die Atmung wurde freier.

  1. Ressourcen aufspüren

Ich gehe davon aus, dass es in Ihrem Leben Momente gegeben hat, in denen Sie die gewünschten Fähigkeiten und Gefühle schon gehabt haben. Das kann vor kurzem gewesen sein oder auch schon vor sehr langer Zeit. Egal um welche Situation es sich handelt, auf die Sie sich vorbereiten möchten, kann die Ressource aus jedem beliebigen Umfeld kommen – Beruf, Freizeit, Schule, Urlaub etc. Suchen Sie eine oder besser mehrere Erinnerungen an Situationen heraus, die die gewünschte Qualität enthalten. Das sind Situationen, in denen Sie etwas geschafft haben, sich gefreut haben, Bestätigung erfahren haben, eine richtige Entscheidung getroffen haben, sich verbunden gefühlt haben usw.

Herr K. meinte zunächst, er habe sich noch nie selbstbewusst und gelassen gefühlt, erst als ich ihn darauf aufmerksam machte, dass es auch reicht, die Gefühle in Ansätzen wahrzunehmen und dass nicht alle Qualitäten in einer einzigen Erinnerung vorhanden sein müssen, fallen ihm positive Erinnerungen ein: a) sein Studienabschluss, den er trotz aller Widrigkeiten geschafft hat b) eine gefährliche Situation beim Klettern, in der er ruhig geblieben ist c) ein Konflikt mit einem Freund, den er offen angesprochen hat

  1. Ressourcen aktivieren und verankern

Beginnen Sie mit Erinnerung a) und wählen Sie den Moment aus, in dem das gute Gefühl am stärksten ist. Versetzen Sie sich gedanklich so in diese Situation hinein, als ob Sie jetzt mittendrin wären. Nehmen Sie das Geschehen mit allen Sinnen wahr: was sehen Sie? Was hören Sie? Welche Körperempfindungen haben Sie? Gehört vielleicht auch ein bestimmter Geruch oder Geschmack dazu? Konzentrieren Sie sich dann auf die guten Gefühle. Benennen Sie sie und nehmen Sie wahr, wo und wie sich diese in Ihrem Körper bemerkbar machen.

Um den positiven Zustand zu verankern, verbinden Sie ihn mit einem Symbol, einer Melodie, einer Bewegung (z.B. tiefes Durchatmen) oder einer Selbst-Berührung (z.B. das Handgelenk umfassen), indem Sie sich während zwei bis drei Atemzügen gleichzeitig auf die Gefühle und den Anker konzentrieren.

Wiederholen Sie den Ablauf mit Situation b) und c) falls es sie gibt. Verwenden Sie dabei immer den gleichen Anker. Das hilft Ihnen, den guten Zustand bei Bedarf schneller wieder  zu erlangen.

  1. Ressourcen einüben

Stellen Sie sich jetzt die schwierige Situation vor, so gut es geht. Aktivieren Sie den Ressourcen-Anker bzw. konzentrieren Sie sich auf den guten Gefühlszustand. Jetzt beobachten Sie, was abläuft und wie Sie sich dabei fühlen.

Herr K. fühlte sich deutlich zuversichtlicher, als er nach der Ressourcen-Aktivierung an den ersten Arbeitstag dachte, die Vorfreude wurde stärker und die Nervosität geringer.

Diesen Schritt können Sie wiederholen, sooft  Sie das Bedürfnis danach haben, am besten auch nochmal unmittelbar vor der Situation, für die Sie sich vorbereitet haben.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen und freue mich wie immer über Erfahrungsberichte!

2 Kommentare zu „Schwierige Situationen meistern

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